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Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD)


Der normale Augenhintergrund

Die Makula – auch „gelber Fleck“ genannt – liegt in einem kleinen Netzhautareal in der Mitte des Augenhintergrundes. Der Durchmesser dieses Areals beträgt nur 5-6mm. Die zentrale Zone wird noch einmal unterteilt in die Fovea/Sehgrube (1,5mm Durchmesser) und die Foveola/Sehgrübchen (0,3mm Durchmesser). Am rechten Bildrand erkennt man den Sehnervenkopf. Aus dessen Zentrum tritt die Zentralarterie in das Auge ein und verzweigt sich dann über die gesamte Netzhaut. Die Venen der Netzhaut vereinigen sich zur Zentralvene, welche das Auge am Sehnervenkopf wieder verlässt. Diese Blutgefäße versorgen bzw. entsorgen die Netzhaut. Die Makula ist die Stelle des schärfsten Sehens. Bei Erkrankungen dieser empfindlichen Zone kommt es zur Beeinträchtigung bis zum Verlust der wichtigen Sehnervenzellen, so dass wichtige Tätigkeiten, wie z.B. Lesen, Autofahren usw. erschwert bzw. nicht mehr möglich sind.
 

normaler Augenhintergrund anatomische Zonen

Allgemeines zur AMD

Die AMD ist in den westlichen Industrieländern aufgrund der immer weiter steigenden Lebenser-wartung die häufigste Augenerkrankung, welche ab dem 65.Lebensjahr zu einem schweren Sehverlust. Deswegen wird diese Erkrankung auch Altersbedingte Makuladegeneration genannt. Die AMD führt nicht zur kompletten Erblindung. Sollte die Funktion der Makula erloschen sein, schreitet der Prozess nicht fort, d.h. die übrige Netzhaut bleibt normal und funktionstüchtig. Deshalb kann man selbst im späten Stadium, wenn die zentrale Sehschärfe verloren gegangen ist, im täglichen Leben mit dem Gesichtsfeld außerhalb des Zentrums einigermaßen zurechtkommen und alltägliche Aufgaben alleine bewältigen. Allerdings kann die zentrale Sehschärfe soweit gemindert sein, dass der betroffene Patient einen Anspruch auf Blindengeld geltend machen kann. Eine AMD kann auch von selbst zum Stillstand kommen.

Mit neuen Behandlungsmethoden (seit 2006) hat diese gefürchtete Erkrankung ihren Schrecken verloren. Trotzdem kann in 30% der Erkrankungen dieses Schicksal nicht aufgehalten werden. Es ist daher von besonderer Wichtigkeit diese Erkrankung frühzeitig zu entdecken, da im Anfangsstadium die besten Behandlungserfolge zu beobachten sind.

Es gibt 2 Formen der altersbedingten Makuladegeneration (AMD)

„Trockene“ Makuladegeneration
Bei der „trockenen“ Form wird ein Früh- von einem Spätstadium unterschieden. Das Frühstadium der trockenen Makuladegeneration erkennt der Augenarzt bei der Spiegelung des Augenhintergrundes an sog. Drusen, das sind kleine gelbliche Ablagerungen unter der Netzhaut. Dabei ist das Sehen allenfalls geringfügig eingeschränkt.
So dauert es z.B. länger, wenn man von draußen in einen dunklen Raum geht, bis man wieder alles erkennt, oder Farben erscheinen blasser. Im Spätstadium der trockenen Makuladegeneration gehen Sinneszellen zu Grunde und das zentrale Sehen verschlechtert sich erheblich. Im Gegensatz zur feuchten Degeneration schreitet diese Form aber sehr viel langsamer voran.

„Feuchte“ Makuladegeneration
Bei der „feuchten“ Makuladegeneration, die sich bei einem kleinen Teil der Patienten aus der tro-ckenen Form entwickelt, sprossen als Reaktion auf die Drusen kleine Gefäße unter die Netzhaut. Diese neugebildeten Gefäße sind undicht, weshalb sich Flüssigkeit in der Netzhautmitte einlagert („Makulaödem“). Auch kann es aus diesen nicht stabil gebauten Gefäßen leicht zu Blutungen unter und in die Netzhaut kommen. Hierdurch kann sich die Netzhautmitte narbig umwandeln und die Sehzellen unwiederbringlich zu Grunde gehen.
Ganz im Gegensatz zur trockenen Spätform kann die feuchte Form mitunter sehr rasch fortschreiten, kommt aber auch schließlich zum Stillstand, ohne die gesamte Netzhaut in Mitleidenschaft zu ziehen.

Wie erkennen Sie selbst eine AMD

Da wir zwei Augen haben, wird die Erkrankung eines Auges oft erst sehr spät entdeckt, da das bisher gesunde Auge das fehlerhafte Sehen am erkrankten Auge überdeckt bzw. ausgleicht. Erst bei der Erkrankung des 2.Auges kommt es dann zur subjektiv beeinträchigenden Sehstörungen (z.B. Lesen oder auch Autofahren)..
Sie können die Funktion Ihrer Makula regelmäßig mit dem sog. „Amsler-Netz“ testen:

A: Tragen Sie Ihre Lesebrille und schauen Sie auf das Netz im normalen Leseabstand
B: Decken Sie ein Auge mit der Hand ab
C: Schauen Sie mit dem offenen Auge auf den Punkt in der Mitte des Gitters
D: Wiederholen Sie diesen Test mit dem anderen Auge

  

Links sehen Sie das normale Ergebnis, rechts das krankhafte Testergebnis.

Fragen zur Auswertung:
1. Sind Linien verzerrt oder wellig ?
2. Sind Bereiche im Gitter verschwommen ?
3. Erscheinen in dem Gitter einige Quadrate größer oder kleiner als die übrigen ?
4. Fehlt dem Gitter eine oder mehrere Ecken ?
5. Sind leere Stellen erkennbar ?


 

Wenn Sie eine oder mehrere Fragen mit Ja beantworten können, sollten Sie unbedingt einen Augenarzt aufsuchen !

Wie erkennt der Augenarzt eine AMD?

Neben den o.g. Tests, die Ihr Augenarzt auch durchführt, gibt es 3 wichtige Untersuchungsmethoden, welche das Krankheitsbild genau feststellen und differenzieren kann. Dies ist im Hinblick auf das therapeutische Vorgehen besonders wichtig. Man muss wissen, dass die AMD in seinen verschiedenen Stadien sehr unterschiedliche Erscheinungsformen aufweisen. Die Abgrenzung, ob und welche Therapie möglich oder nicht mehr sinnvoll ist, ist manchmal schwierig.

1. Spiegelung des Augenhintergrunds (Ophthalmoskopie)
Um den Augenhintergrund beurteilen zu können bedarf es einer indirekten und direkten Augenspiegelung, die dem Arzt das natürliche Erscheinungsbild der Netzhaut zeigen. Diese Untersuchung wird in der Regel nach medikamentöser Erweiterung der Pupille durchgeführt.

 normaler Augenhintergrund  spätes Stadium einer AMD

 

2. Fluoreszeinangiographie
Dies ist eine bewährte Untersuchungsmethode zur Darstellung der normalen und krankhaften Kreislaufverhältnisse von Aderhaut, Netzhaut und Sehnerv. Es wird der zeitliche Ablauf des Einströmens und Ausströmens eines speziellen Farbstoffes photographisch erfasst und digitalisiert. Dieser Stoff wird in die Armvene injiziert. Durch die Injektion verteilt sich dieser gelbe Farbstoff im gesamten Körper, auch in den Gefäßen im Auge.

Normalbefund der Gefäßdarstellung fortgeschrittene AMD-Spätphase

 

3. Optische Kohärenztomographie/OCT
Diese Untersuchungsmethode stellt ein neues Verfahren zur Gewebsdiagnostik der Netzhaut und des Sehnerven dar. Die OCT ist ein Abbildungsverfahren, das anhand von Lichtwellen Schnittbilder der Netzhaut erzeugt, die nahezu einem mikroskopischen Schnitt gleich sind. Diese Methode ist zur weiteren Diagnostik, Behandlungsentscheidung und Therapiekontrolle bei der AMD nicht mehr wegzudenken. Da diese wertvolle Untersuchungsmethode bisher nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gehört, kann und darf diese nur privatärztlich als IGeL (individuelle Gesundheitsleistung) erbracht und abgerechnet werden.

 
normales OCT der Makula  

krankhaftes OCT bei feuchter AMD

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es heute?

Auch wenn ein Durchbruch in der Behandlung, insbesondere eine „Heilung“, gegenwärtig noch aussteht, gibt es doch schon heute Behandlungsverfahren, mit denen der Krankheitsprozess aufgehalten oder zumindest verlangsamt werden kann.

1. Medikamente (Operative Medikamenteneingabe)
Bei der Suche nach der Ursache der Gefäßneubildung unter der Netzhaut fand sich als wesentlicher Faktor der Botenstoff VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor). Dessen übermäßige Produktion bei der feuchten AMD führt zu einem krankhaften Gefäßwachstum und Schwellung der Netzhautmitte. Daher wurden gezielt Hemmstoffe gegen diesen Wachstumsfaktor entwickelt. Diese zur Zeit verfügbaren VEGF-Hemmer werden unter sterilen Bedingungen mit einer feinen Nadel schmerzfrei in das Augeninnere injiziert. Da die Wirkdauer nur begrenzt ist, sind in der Regel wiederholte Behandlungen erforderlich.

2. Laserbehandlung
In früheren Stadien der „feuchten“ AMD kann in bestimmten Fällen eine Laserbehandlung sinnvoll sein. Diese Behandlung erfolgt ambulant und ist in aller Regel schmerzfrei. Mit dem Laserstrahl werden dabei die krankhaften Gefäße durch Hitzeinwirkung verödet. Die darüberliegende Netzhaut wird als Nebenwirkung ebenfalls vernarbt. Es hat sich jedoch gezeigt, dass auch bei zunächst erfolgreicher Laserbehandlung im weiteren Verlauf sehr häufig erneut abnormale Gefäße aussprossen können.

3. Die photodynamische Therapie (PDT)
Bei dieser Behandlungsform für ein bestimmtes Stadium der feuchten Makuladegeneration wird zunächst eine Substanz als Infusion in eine Armvene verabreicht, die dann im Auge die Gefäßwucherungen für den Laserstrahl empfindlicher macht. Damit können die abnormal wuchernden Gefäße unter Netzhautmitte verödet werden. Allerdings kommen nur ganz bestimmte Gefäßneubildungen dafür in Frage, was durch den Augenarzt mit der Gefäßdarstellung (Fluoreszeinangiographie) vorher festgestellt wird. Auch ist diese Behandlung nur in einem relativ frühen Stadium der feuchten AMD sinnvoll. Ist bereits eine Narbe entstanden, hat sie keinen Einfluss mehr. Die Behandlung muss meist mehrfach, typischerweise in vierteljährlichen Abständen erfolgen, da sich die Gefäße nicht mit einer einzigen Therapie verschließen lassen. Auch diese Behandlungsform ist schmerzfrei und kann ambulant durchgeführt werden.
Seit 2006 verdrängt zunehmend die deutlich wirkungsvollere Therapie mit VEGF-Hemmern die PDT.

4. Chirurgische Verfahren - subretinale Makulachirurgie
Trotz großer Fortschritte in der Behandlung der feuchten altersbedingten Makuladegeneration in den letzten Jahren kann das Fortschreiten dieser Erkrankung in ca. 30% der Fälle nicht aufgehalten werden. In geeigneten Fällen sowie bei Auftreten von Massenblutung unter die Netzhaut oder in den Glaskörperraum kann mit chirurgischen Verfahren sehr oft eine völlige Erblindung verhindert werden. Operationstechnisch bedient man sich der Pars plana Vitrektomie sowie eines speziellen Instrumentariums.

Andere Behandlungsansätze

Für andere Behandlungsverfahren wie die Rheopherese (Blutwäsche), die Strahlentherapie, die Akupunktur oder die Transplantation Gewebeteilen der Nethaut gibt es bisher keine gesicherten Langzeitergebnisse. Neuere Entwicklungen wie die Implantation von Netzhautprothesen sind vielversprechend, aber noch eine Zukunftsvision. Bei dem jetzigen Stand der Entwicklung kommt dies für die Makuladegeneration nicht in Frage.
Infusionsbehandlungen, Spritzen hinter das Auge, Gabe von Sauerstoff oder Ozonbehandlungen des Blutes oder auch andere „Wundermittel“, die angepriesen werden, helfen nur dem Anbieter und kosten Sie viel Geld. Erfolge, von denen die Boulevardpresse manchmal berichtet, erklären sich zum Teil dadurch, dass die AMD von selbst zum Stillstand kommen kann und sich die Sehschärfe gelegentlich spontan bessern kann.

Andere Hilfen

Wenn mit den heute zur Verfügung stehenden Methoden keine erfolgversprechende Behandlung möglich ist, informieren wir Sie über die Möglichkeit der Nutzung von vergrößernden Sehhilfen. Auch Selbsthilfeorganisationen wie Pro Retina Deutschland (www.pro-retina.de) geben Hilfen im Umgang mit der Makuladegeneration im Alltag.